{"id":4742,"date":"2019-06-02T11:12:15","date_gmt":"2019-06-02T09:12:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.einkubainba.de\/?p=4742"},"modified":"2021-11-29T13:26:08","modified_gmt":"2021-11-29T13:26:08","slug":"der-feind-der-niemals-kam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.denis-dominguez.de\/?p=4742","title":{"rendered":"Der Feind, der niemals kam."},"content":{"rendered":"\n<p>Heute bin ich gegen 9:00 Uhr <em>mit Hunger<\/em> in die Arbeit gefahren. Ja, du hast richtig gelesen\u2026 <strong>9:00 Uhr<\/strong>. Gut erkannt, ich bin ein fauler\nSack\u2026 und ich stehe dazu! Ha, ha, ha. <\/p>\n\n\n\n<p>So, wo waren wir? Ah, genau\u2026 Arbeit und Hunger. Das ist aber\nnichts Schlimmes, denn oft fr\u00fchst\u00fccke ich im B\u00fcro vor meinem PC, w\u00e4hrend ich meine\nAufgaben erledige. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df,\u2026 ich wei\u00df, das soll sehr ungesund sein, aber das ist\nmir egal und au\u00dferdem macht es verdammt viel Spa\u00df bei Emails lesen, sich den\nBauch vollzuschlagen. Oh, Mann\u2026 jetzt bin ich wieder vom Thema abgekommen\u2026 aaah,\nok, da bin ich wieder\u2026 und obwohl ich viel Hunger hatte und bald etwas essen\nwollte, wurde ich von der Arbeit so \u00fcberw\u00e4ltigt, dass ich das Essen f\u00fcr ein paar\nStunden verga\u00df. <\/p>\n\n\n\n<h2>Die Warnung<\/h2>\n\n\n\n<p>Um knapp 11:30 Uhr meldete sich mein knurrender Magen erneut.\nDiesmal st\u00e4rker. Das Ger\u00e4usch hatte ein wieder erkennbares Zeichen, welches mir\nentfernte Erinnerungen aus der Kindheit brachte: \u00bbDer Feind steht vor der T\u00fcr.\nDu bist kein Feigling und musst standhaft bleiben\u00ab. Wie ein Trauma, das st\u00e4ndig\nim Hinterkopf lauert und auf eine g\u00fcnstige Gelegenheit wartet, um sich wieder\nzu etablieren. Das k\u00f6nnte die exakte psychologische Erkl\u00e4rung sein, warum ich manchmal\nzu einer unertr\u00e4glichen Diva werde, wenn ich nicht gleich etwas zu essen\nbekomme. \ud83d\ude09<\/p>\n\n\n\n<p>ACHTUNG: ICH ERZ\u00c4HLE VIELES IN DER GEGENWART, DENN F\u00dcR MICH\nHAT SICH AN DER BEZIEHUNG ZWISCHEN KUBA UND DER U.S.A. BIS HEUTE NICHTS GE\u00c4NDERT!<\/p>\n\n\n\n<h2>Die Offenbarung<\/h2>\n\n\n\n<p>In diesem Moment erinnerte ich mich wieder daran, damals als\nKind, das Gef\u00fchl von Hunger unterdr\u00fccken zu m\u00fcssen. Denn f\u00fcr uns Kubaner ist <em>Hunger zu haben<\/em> ein Zeichen von Schw\u00e4che.\nWie meine ich das genau? Um diese kurze Frage zu beantworten, muss ich eine\nlange Geschichte ebenfalls abk\u00fcrzen und gaaaaaaaaaaanz von vorne anfangen. <\/p>\n\n\n\n<p>Alles begann mit diesem ewigen, kalten Krieg. Ein Krieg, zwischen Kuba und der USA, der seit den F\u00fcnfziger Jahren gef\u00fchrt und immer wieder aufs Neue belebt wird. Wie ein Magengeschw\u00fcr, dessen Gr\u00f6\u00dfe durch Missverh\u00e4ltnisse von aggressiven Faktoren w\u00e4chst und immer unangenehmer wird. &nbsp;Als die politischen Beziehungen zwischen beiden L\u00e4ndern zusammenbrachen, versprachen sich beide Nationen einen ewigen Hass. Darauf nahm die Regierung von Kuba, Ma\u00dfnahmen, um sich von dem \u201efeindlichen imperialistischen\u201c Koloss aus dem Norden zu sch\u00fctzen. Dieser Schutz war nicht nur physisch mit dem Bau von Hunderten von Bunkern landesweit und die Erh\u00f6hung ihrer milit\u00e4rischen Macht mit der Unterst\u00fctzung der Sowjetunion, sondern auch mental auf die Vorbereitung eines Angriffs aus dem Norden. Und so fing das <a href=\"https:\/\/www.einkubainba.de\/vorsicht-misch-dich-nicht-in-politik-ein\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Martyrium  (opens in a new tab)\">Martyrium <\/a>an.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"http:\/\/www.einkubainba.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/3-Auge-um-Auge-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4745\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Obwohl <a href=\"https:\/\/www.einkubainba.de\/kuba-que-linda-es-cuba\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Kuba  (opens in a new tab)\">Kuba <\/a>mehrere Krisen \u00fcberstanden hat, waren diese nie leicht f\u00fcr die kubanische Bev\u00f6lkerung. Oft gab es nicht viel zu essen. Zwar mit Angst auf Repressalien haben wir uns trotzdem auf den Stra\u00dfen ge\u00e4u\u00dfert und gesagt: \u00bbCo\u00f1\u00f3\u00f3\u00f3\u00f3\u00f3\u00f3\u00f3, que haaaaaambre tengo\u00ab (Ich habe ziemlich viel Hunger). Diese Reaktion war nicht erw\u00fcnscht und wurde regelm\u00e4\u00dfig von den Beauftragten der Regierung (diese sind \u00fcberall, und k\u00f6nnten sogar die Mitglieder deiner eigenen Familie sein) in Frage gestellt. Mit der Versuchung diesen Hilfeschrei zu unterbinden. Und daf\u00fcr haben sie einen einfachen Trick angewendet. Sie haben deine INTEGRIT\u00c4T in Frage und deine ANGST auf die Probe gestellt. Indem sie dir folgende <em>Hausaufgabe zum Nachdenken<\/em> gestellt haben: \u00bbFalls der Feind aus dem Norden (damit sind die Amis gemeint) uns angreifen und wir in die Bunker fliehen m\u00fcssen. Wie lange glaubst du, dass du mit dieser Einstellung \u00fcberleben wirst?\u00bb <\/p>\n\n\n\n<p>Als Leser kannst du dir die Antwort bestimmt schon ausmalen:\n<br>\n\u00bb Keine einzige Woche! Du musst lernen deinen Hunger zu unterdr\u00fccken, um unsere\nFeinde zu zeigen, dass du st\u00e4rker als sie bist! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt kannst du dir vorstellen, unter welchem Druck ein 8- j\u00e4hriges\nKind steht, das seine Heimat verteidigen will, sich bei seiner Familie beliebt\nmachen m\u00f6chte und au\u00dferdem ALLEN beweisen will, dass er kein Feigling ist.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"http:\/\/www.einkubainba.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/2-Patriotismus-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4744\"\/><\/figure>\n\n\n\n<h2>Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p>Viele Jahre sind vergangen. 20 Fr\u00fchlinge, um genau zu sein.\nIch bin kein Kind mehr. Ich habe geheiratet, meine sch\u00f6ne Insel in der Karibik\nverlassen, und selbst Kinder bekommen, zwei wunderbare T\u00f6chter im wundersch\u00f6nen\nBayern. Die Bunker sind geblieben, wie die Angst in den Herzen der Kubaner.\nAber der versprochene Feind kam nie.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist erstaunlich, wie diese Kommunisten mit so wenigen\nRessourcen es immer wieder schaffen, so viele Menschen (damit meine ich\nKubaner, sowohl auch jeder andere der glaubt, dass Kuba ein Paradies ist) mental\nzu unterdr\u00fccken. Es geht nicht darum, ob ich durch die Kontrolle meines Hungers\nan St\u00e4rke gewinne, sondern, dass ich mir w\u00e4hrend ich auf der Insel gelebt habe,\nmir nie solche Fragen gestellt habe: <\/p>\n\n\n\n<ol><li>Warum muss ich auf so einer reichen Insel namens Kuba an Hunger leiden?<\/li><li>Wer kann mir versichern, dass die Amis tats\u00e4chlich die gesamte Schuld tragen?<\/li><li>Wer hat der Regierung die Kontrolle meines Lebens \u00fcbertragen?<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute bin ich gegen 9:00 Uhr mit Hunger in die Arbeit gefahren. Ja, du hast richtig gelesen\u2026 9:00 Uhr. 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